Ich bin vergeßne Weiten

Robert Walser Projekt

Uraufführung Mittwoch 5.Oktober 2011

"Unaufdringlich, aber sehr differenziert spielt das Ensemble Szenen aus Walsers Texten und setzt sie in Beziehung zu seinem Leben. "Wie bin ich glücklich, dass ich in mir nichts Achtenswertes mehr zu finden vermag", heißt es kurz vor Ende der sehenswerten Aufführung." (Münstersche Zeitung 7.10.11)

Robert Walser , geb. 1878, starb am Weihnachtstag 1956 als leidenschaftlicher Spaziergänger auf seinem letzten, einsam im Schnee. Er gehört bis heute zu den rätselhaftesten Schriftstellern seiner Zeit. Der Schweizer publizierte in rascher Folge drei Romane und kam aufgrund einer psychischen Krise in die Heil- und Pflegeanstalt Waldau. 1933 wurde er gegen seinen Willen in die Psychiatrie nach Appenzell überführt. Er lebte insgesamt 26 Jahre als anonymer Patient -nicht mehr schreibend. Im Nachlass entdeckte man 526 Blätter, die vorher entstanden waren,  in kleinster, geheimnisvoller Weise in Sütterlin mit Bleistift beschrieben, die so genannten Mikrogramme, die nach 19 Jahren mühevoller Dechiffrierarbeit dann doch auf  wundersame Weise publikationsfähig gemacht wurden. Assoziativ dazu, begeben sich die Sycorax-Spieler, die Spezialisten in dieser Inszenierung der Doppelspitze Artkamp / Kerklau auf eine Wanderung durch Walsers Kopf und werden zu Figuren und Personifizierungen seiner Gedanken, Erinnerungen und Träume. Das Stück zoomt tief in unendlich viele Mikrokosmen der menschlichen Empfindungen. Über szenische Annäherungen an den Menschen, Dichter, Vagabunden, Außenseiter und Patienten Robert Walser tut sich eine Reise durch sein rätselhaftes Leben auf. Einige Themen, die Walser an – und umtrieben, wie sein Verhältnis zur Natur, das Fliehen vor den Frauen, der Wunsch wieder in Kinderschuhe zu passen und seine Zeit in der Schreibstube werden gestreift und schlaglichtartig in Bilder übersetzt. Am Ende bleibt, dass das Leben halt oft in der Achse verdreht ist und nach anderen Arten von Bewegung verlangt, zwischen bleistiftzartem Tanz und dem Klettern in vergletscherten Gipfeln.

„Ich war ein Traum mitten im Traum, wie ein Gedanke, gelegt in einen anderen. Ich war weniger Erscheinung als ein Sehnen, ich lebte nur im Sehnen und war, war nur ein Sehnen. Da ging ich also. Nein ich ging nicht, ich spazierte in der leeren Luft.“ (R. Walser)

Es spielen: Marleen Böhm, Lawrence DeWinter, Jens Dombrowski, Ewelina Hoffmann, Marcel Lehnert, Jutta Nahamowitz, Hedwig Preiß-Berning, Konrad Schönberger, Simon Schwering, Guido Terbaum, Monika Valsch und Anja Ziegeldorf

Regie: Paula Artkamp / Manfred Kerklau
Künstlerische Mitarbeit: Jennifer Ocampo Monsalve
Bühne: Leon Riminih
Kostüme: Bettina Zumdick
Licht: Volker Sippel
Assistenz: Stefan Laspeyres
Öffentlichkeitsarbeit: Rita Roring
Grafikdesign: Verena Blom
Fotos:
Ralf Emmerich

Eine Produktion von Theater Sycorax in Koproduktion mit dem Theater im Pumpenhaus, gefördert von: Kulturamt der Stadt Münster, Stiftung Siverdes, Kulturstiftung der Sparkasse Münster, Förderkreis Sozialpsychiatrie e.V.